Instagram-Stories vs. Snapchat – was setzt sich durch?

Snapchat vs. Instagram-StoriesIch muss zugeben, dass es eine Weile gedauert hat, bis ich mich von Snapchat überzeugen ließ. Wieder eine neue App. Noch mehr Druck, regelmäßig Content zu produzieren. Und vor allem die Erwartung, noch mehr private Dinge von sich und seinem Leben preiszugeben. Ist es nicht irgendwann auch mal genug? Nach einigen Wochen als stiller Beobachter habe ich dann aber selbst meine Freude an der App gefunden und festgestellt, dass wirklich viel Potenzial in ihr steckt.

Snapchat ist beliebt. Doch Instagram zieht nach.

Kaum habe ich mich in Snapchat zurechtgefunden, kommt Instagram mit einem Update um die Ecke: Instagram-Stories. Prinzipiell verfolgt Instagram-Stories das gleiche Ziel wie Snapchat. User sollen dazu animiert werden, spontanen und authentischen Content zu produzieren. Das macht Personen nahbar. Das erzeugt das Gefühl, Menschen kennenzulernen, selbst wenn man sie noch nie in Wirklichkeit gesehen hat. Aber was ist jetzt „besser“? Wo liegen die Unterschiede? Und löst Instagram-Stories Snapchat ab?

 

Kurzer Leitfaden: Wie funktioniert Snapchat überhaupt?

Es gibt schon unzählige Anleitungen dafür, wie man Snapchat bedient. Daher reiße ich die grundlegenden Funktionen in diesem Beitrag nur an:

Snapchat vs. Instagram-StoriesSnapchat ist eine App, die soziales Netzwerken durch Nachrichten, Fotos und Videos ermöglicht. Dabei kann man wahlweise private Nachrichten an einzelne Kontakte schicken (wie bei Whats App) oder Fotos und Videos in der eigenen „Story“ hochladen. Die „Story“ ist für alle Kontakte in der Liste aufrufbar. Neue Kontakte fügt man durch einen Code oder über den Benutzernamen hinzu.

Das besondere an Snapchat ist, dass alle Nachrichten, Fotos und Videos nur für eine begrenzte Zeit aufrufbar sind. In der eigenen „Story“ werden die so genannten Snaps 24 Stunden lang angezeigt und danach automatisch gelöscht.

Warum soll man sich die Mühe machen, wenn die Fotos und Videos einfach wieder gelöscht werden?

Ganz einfach: Bei Snapchat geht es nicht darum, perfekt ausgeleuchtete Bilder zu schießen, die danach in einer Timeline (wie auf Facebook oder der Instagram-„Galerie“) immer wieder angeschaut werden können. Es geht darum, die eigenen Kontakte mit spontanen Aufnahmen auf dem Laufenden zu halten und sie somit in den Alltag mitzunehmen. Dadurch, dass die Snaps automatisch gelöscht werden, animieren sie außerdem dazu, immer mal wieder in den Stories der Kontakte nachzuschauen, um nichts zu verpassen. Auf Facebook kann man sich die Posts auch noch Tage oder Wochen später anschauen. Doch bei Snapchat geht es um den Moment!

Was hat es mit Instagram-Stories auf sich?

Instagram-Stories
Instagram-Stroies bietet bislang weniger Funktionen als Snapchat.

Instagram-Stories gibt es seit Anfang August und wird seither als Konkurrenz-Funktion für Snapchat heiß diskutiert. Im Grunde funktioniert Instagram-Stories ähnlich wie Snapchat. Über das „Plus-Symbol“ in der linken, oberen Ecke auf der „Home-Seite“ kann man Fotos oder Videos aufnehmen, die nur für 24 Stunden aufrufbar sind und sich dann automatisch löschen. Anders als bei Snapchat muss man hier nicht über einen Code oder Namen erst eine definierte Kontaktliste erstellen. Alle Follower des Instagram-Profils können die Aufnahmen sehen – es sei denn, man definiert in den Einstellungen, welche Personen bzw. Follower die Aufnahmen nicht angezeigt bekommen sollen. Es besteht außerdem die Möglichkeit, die in der Story aufgenommen Bilder oder Videos in seinem Instagram-Profil zu posten.

 

Unterschiede zwischen Snapchat und Instagram-Stories

DIE REICHWEITE: Der erste ausschlaggebende Unterschied ist die Reichweite. Wer Instagram schon länger benutzt, hat sich bereits einen gewissen Follower-Stamm aufgebaut und kann dementsprechend viele Menschen mit den Fotos und Videos aus der Instagram-Story erreichen. In Snapchat hingegen muss man sich seine Kontakte mühselig zusammensuchen. Im Regelfall generiert man neue Kontakte über Facebook, Blogs oder durch Empfehlungen anderer Leute, die Snapchat benutzen.

Snapchat-Filter Beispiel
Beispiel für einige Snapchat-Filter

DIE ZIELGRUPPE: An den Aspekt der Reichweite knüpft der Aspekt der Zielgruppe an. Während man in Instagram-Stories seine Videos und Fotos mit einer breiten Masse teilt (sofern das Profil öffentlich ist), sind die Snaps auf Snapchat durch die definierte Kontaktliste nur gewissen Personen vorenthalten. Beides kann Vor- und Nachteile haben. Für Unternehmen zum Beispiel ist die Chance, neue Kunden zu generieren, über Instagram mit Sicherheit einfacher. Familiärer fühlt sich die Kommunikation aber über Snapchat an.

DIE LADEZEIT: Dieser Aspekt ist eine subjektive Einschätzung, die mir aber auch von anderen bestätigt wurde. Sowohl in Instagram als auch Snapchat müssen die Stories erst geladen werden. Während die Fotos und Videos in Snapchat relativ schnell geladen und dann auch ohne Probleme abgespielt werden, braucht Instagram deutlich länger. Dadurch kann es sogar passieren, dass in Instagram die einzelnen Fotos oder Videos in einer falschen Reihenfolge abgespielt werden – hier besteht definitiv noch Optimierungsbedarf!

DIE FILTER: Ein weiterer Unterschied sind die umfangreichen Features, die Snapchat bietet. Sowohl in Snapchat als auch Instagram-Stories können die Bilder mit Text oder „Kritzeleien“ bearbeitet werden. Instagram bietet bislang (!) in dieser Hinsicht aber nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten. In puncto Spaßfaktor hat Snapchat die Nase also noch vorne. Denn Snapchat verfügt über eine facettenreiche Anzahl an Gesichtsfiltern bzw. Linsen, Geofiltern oder auch Smileys, die über die Fotos und Videos „gelegt“ werden können.

Verdrängt Instagram-Stories Snapchat auf lange Sicht?

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist die ursprüngliche Nutzungs-Motivation der beiden Apps. Während sich Snapchat von Anfang an als eine Art Messenger etabliert hat, präsentierte sich Instagram bisher als reine Foto-Community. Mit der neuen Funktion der Instagram-Stories verändert Instagram die inhaltliche Ausrichtung. Das bedeutet: Allen Leuten, denen ich bislang auf Instagram folge, folge ich ursprünglich aus dem Grund, dass mir die Bilder gefallen – auf Instagram bewege ich mich also hauptsächlich, um Inspirationen zu finden! Dabei geht es mir weniger um die Personen selbst (mit Ausnahmen). Bei Snapchat hingegen folge ich bewusst den Menschen, die mich persönlich interessieren. In diesem Zusammenhang komme ich auch nochmal auf die Reichweite zu sprechen: Auch wenn es Mühe macht, sich in Snapchat eine Kontaktliste aufzubauen, ist diese doch sehr bewusst gewählt. Der Aspekt der „Intimität“ und des Interesses an der Person oder des Unternehmens selbst spielt also eine wichtige Rolle.

Instagram macht es Usern leichter, Follower zu generieren. Doch Snapchat bietet eine intimere Form der Kommunikation.

Aus diesen Gründen kann ich die Frage, ob Instagram-Stories Snapchat langfristig ablöst, pauschal nicht beantworten. Ich denke, dass es ganz darauf ankommt, aus welcher Motivation heraus man Snapchat oder Instagram-Stories benutzt. Für Unternehmen ist die Reichweite auf Instagram wahrscheinlich höher – allein aus den Gründen, dass man bereits eine gewisse Anzahl an Followern hat und sein Profil nicht über andere Kanäle promoten muss. Instagram macht es somit Usern wesentlich leichter, Follower zu gewinnen. Doch mit einem Perspektiv-Wechsel kann man dieses Argument auch umkehren: Snapchat erfordert zwar eine mühseligere Erarbeitung der Kontakte, bietet dadurch aber auch eine „intimere“ bzw. familiärere Form der Kommunikation.

Vorerst bleibe ich Snapchat definitiv treu, kann mir aber gut vorstellen, dass sich Instagram-Stories bei der Mehrheit langfristig gesehen durchsetzen könnte – vor allem, wenn Instagram mit Updates und erweiterten Funktionen nachzieht.

Tipp: Wer beide Funktionen parallel nutzt, sollte in beiden Stories jeweils unterschiedliche Fotos und Videos hochladen. Das verringert die Absprungrate.

 

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