Selbstständige Texterin: Fragen & Antworten nach einem Jahr

Wie schnell die Zeit wirklich vergeht, merkt man erst zu besonderen Anlässen. Heute ist für mich ein solcher Tag. Vor genau einem Jahr habe ich mir die so oft gestellte Frage „Soll ich es versuchen?“ mit „JA!“ beantwortet. Seitdem bin ich als selbstständige Texterin unterwegs. Zeit für einen Blick hinter die Kulissen!

„Bewirb dich doch lieber für einen sicheren Job…“

Wie oft habe ich diesen Satz gehört! Aber ehrlich gesagt, kann ich gewisse Bedenken keinem verübeln. Ich kann im Vorfeld nie genau sagen, wie viel Geld am Ende des Monats auf meinem Konto ist. Was sich im ersten Moment nach einem Risiko anhört, kann aber auch eine echte Chance sein. In einer Festanstellung freuen sich Arbeitnehmer am Anfang des Monats über die im Vertrag festgelegte Gehaltssumme. Ich hingehen bin selbst dafür verantwortlich, wie viel ich verdiene – bin dafür nach oben hin aber auch nicht eingeschränkt. Und außerdem: Was bedeutet schon ein „sicherer Job“? Sicher ist niemand. Kein Arbeitnehmer, kein Selbstständiger. Führt man sich beispielsweise die Insolvenz-Fälle großer Firmen (wie Schlecker) vor Augen, wird einmal mehr deutlich, dass unvorhersehbare Situationen jederzeit eintreten können. Genau diese Erfahrung habe ich übrigens selbst gemacht.

„Was genau machst du als selbstständige Texterin?“

Texterin-Print-Onlinemedien-Tabea-Lettau-KontaktMit dem Begriff „selbstständige Texterin“ können viele zunächst nicht viel anfangen. Selbst manche meiner Bekannten fragen sich bis heute, was ich eigentlich jeden Tag stundenlang an meinem Schreibtisch mache. Dabei ist es so einfach wie banal: Ich schreibe Texte. Das können Imagetexte für Unternehmen, Webseitentexte, Broschüren-Texte, Artikel in Magazinen, aber auch Blogtexte sein. Die Bandbreite ist facettenreich. Die Herausforderung besteht darin, sich in die Philosophie der jeweiligen Unternehmen und deren Zielgruppen hineinzuversetzen, um in den Texten die – für den Einzelfall – „richtige“ Sprache zu sprechen. Im Endeffekt geht es darum, Botschaften attraktiv und individuell in Worte zu verpacken. Neben dem Schreiben biete ich auch Korrektorat- oder Lektorat-Arbeiten an. In den vergangenen Monaten lagen die Schwerpunkte jedoch bei Blogtexten und suchmaschinenoptimierten Webseitentexten.

„Warum engagieren Unternehmen eine Texterin?“

Diese Frage müsste eigentlich jedes Unternehmen bzw. jeder Auftraggeber individuell beantworten. Was ich aber oft höre, ist das Problem, über sich selbst zu schreiben. Wenn es um einen selbst geht, ist man subjektiv beeinflusst. Man empfindet bestimmte Details als selbstverständlich, obwohl sie für Außenstehende eine Erklärung bedingen. Durch meine Objektivität kann ich den Fokus in meinen Texten auf die Dinge legen, die für die Zielgruppe wirklich relevant und interessant sind. Ein weiterer Grund ist die Rechtschreibung. Wer auf einen professionellen (Werbe-)Auftritt Wert legt, kommt um fehlerfreie Texte nicht drumherum. Und die deutsche Rechtschreibung kann mit ihren vielen Ausnahmen ganz schön gefuchst sein. Da ich mich jeden Tag mit Texten befasse, führen mich auch komplizierte Rechtschreib- und Grammatikregeln nicht so schnell hinters Licht. 🙂

Ortsunabhängig arbeiten

Bali digitaler Nomade Tabea lettau
Was nach ‚Urlaub‘ aussieht, erfordert in Wirklichkeit eine Menge Disziplin.

Eines meiner großen Ziele ist, ortsunabhängig arbeiten zu können. Den ersten Schritt in diese Richtung habe ich Anfang des Jahres gemacht, indem ich für zwei Monate als Digitaler Nomade nach Bali gereist bin. Trotz der Zeitverschiebung um sechs Stunden hat der Kundenkontakt via Telefon und Mail erstaunlich gut funktioniert. Mit diesem Versuch habe ich also festgestellt, dass ich nicht zwingend in Deutschland in meinem Büro sitzen muss, um zu arbeiten. Das ist ganz praktisch, wenn man als Wintermuffel – wie ich es bin – über die kalten Monate ins Warme flüchten möchte.

Freiheit vs. Disziplin

Das klingt im ersten Moment natürlich super! Diese Freiheit zieht aber auch eine wichtige Voraussetzung mit sich: Disziplin. Da ich mir meine Arbeit selbst beschaffen muss, kann ich es mir nicht erlauben, einen Lenz zu schieben. Auch im vermeintlichen ‚Urlaub‘ klingelt morgens um 7.00 Uhr mein Wecker, sodass ich spätestens um 8.00 Uhr am Laptop sitze und Aufträge bearbeite. In einer schönen Umgebung, wie Bali oder Gili Air, nicht dem Urlaubsmodus zu verfallen, kann schwierig sein! Auch Wochenenden gibt es für mich in der Form nicht mehr. In der Regel sitze ich samstags und sonntags ebenfalls am Schreibtisch und arbeite. Es kommt immer ganz darauf an, welche Aufträge anstehen.

„Was würdest du rückblickend anders machen?“

Ein Jahr selbstständige TexterinWenn ich die Zeit um ein Jahr zurückdrehen könnte, würde ich mir von Anfang an ein detailliertes Business-Konzept erstellen – insbesondere, was die Konkretisierung der Themenbereiche angeht. Doch ich denke, dass man als selbstständige Texterin mit der Zeit auch herausfinden muss, welche Bereiche einem am besten liegen und Spaß machen.

Ein empfindliches Thema, mit dem ich aber nicht hinter dem Berg halten möchte, ist die Preisgestaltung. Ich habe mit einigen jungen Existenzgründern über dieses Thema gesprochen und dabei ist mir ein Phänomen oft aufgefallen: Gerade am Anfang einer Existenzgründung „verkauft man sich“ schnell unter Wert. Vielleicht, weil man seinen eigenen Wert noch nicht gut genug einschätzen kann. Vielleicht aber auch, weil man Sorge hat, sonst nicht genügend Aufträge zu bekommen. Rückblickend finde ich das nicht schlimm, denn auch diese Erfahrung ist Teil eines Prozesses, an dem man nur wachsen kann.

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