Gewichtskontrollen-Zwang? Du bist mehr als die Zahl auf deiner Waage!

Gewichtskontrollen-Zwang Waage
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„Ich wache auf. Mein erster Gang führt ins Badezimmer. Ich gehe fix auf die Toilette und ziehe dann mein Nachthemd aus. Das wiegt immerhin ein paar Gramm, die das Gewicht auf der Waage beeinflussen würden! Und dann stelle ich vorsichtig – und ein wenig nervös – einen Fuß nach dem anderen auf die Waage. Die Anzeige ist digital. Ich sehe, wie schnell sich die Zahlen nach oben bewegen. Und dann bleiben sie stehen. 500 Gramm mehr als gestern. Frust und Wut machen sich breit. Und die Folgen? Ein Tag mit dermaßen wenig Nahrung, dass ich alleine bei dem Gedanken daran, das Knurren in meinem Magen fühle.“

Ist das nicht furchtbar? Doch genau so sah vor zehn Jahren meine Morgenroutine aus – tagtäglich. Ich hatte meine gesamte Lebensqualität von Zahlen abhängig gemacht. Je niedriger die Zahl auf der Waage, desto besser mein Gefühl. Jeder Schritt in Richtung Gewichtsverlust war ein Erfolgserlebnis. Und ich habe damals nicht gemerkt, dass ich mich damit Stück für Stück selbst zerstört hatte. Auf die Konsequenzen meiner damaligen Essstörung gehe ich gerne in einem separaten Blogtext ein.

Mach Schluss mit der Waage!

Kann „Wiegen“ eigentlich zu einer Sucht werden? Wenn ja, dann war ich definitiv süchtig. Und es hat verdammt lange gedauert, bis ich meine masochistische Beziehung zu der Waage endlich beendet hatte. Genau genommen hatte ich sogar keine Wahl. Denn meine Mama hatte damals entschieden, mir die Waage wegzunehmen und mich auf kalten Entzug zu setzen. DANKE, Mama! (Keine Ironie). Falls du mit jemandem zusammenwohnst, dann bitte sie oder ihn, die Waage vor dir zu verstecken. Das klingt hart. Und sicher ist das für dich kein leichter Schritt, wenn du bereits in dem Teufelskreis steckst. Doch es wird dir langfristig dabei helfen, ein gesundes Körpergefühl zurückzuerlangen.

Eine Zahl sagt dir nicht, wie du aussiehst

Gewichtskontrollen-Zwang Waage Sucht
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Die Zahl auf der Waage ist nur eine Zahl. Sie sagt nichts darüber aus, wie du dich in deinem Körper fühlst. Sie sagt nichts darüber aus, wie du wirklich aussiehst. Und erst recht sagt sie nichts darüber aus, welche Ausstrahlungskraft du hast und wie schön du bist! Es ist nur eine Zahl, von der wir uns kontrollieren lassen, wenn wir dies einmal zulassen. Mach Schluss damit. Es gibt viel bessere Methoden, um die Kontrolle über das Gewicht – und in erster Linie über das optische Erscheinungsbild – zu gewinnen. Denn darum geht es beim Thema „Waage“ doch, oder? Um die Optik, die oberflächliche Optik. Hier ein paar Tipps, wie du ohne Waage klarkommst und ein gesundes Verhältnis zu deinem Körper aufbauen kannst:

Tipp: 5 Alternativen zur Waage

  • Solange du in deine Lieblingsjeans und den Gürtel passt, ohne dass etwas kneift, ist alles gut! (ABER: Nach einer großen Portion leckerem Essen darf die Hose auch mal kneifen… 😉 mach dich in diesen Momenten nicht verrückt.)
  • Dein Spiegelbild! Schau dir einfach mal zwei Minuten lang dein Spiegelbild an. Fokussiere dabei nicht die Stellen, mit denen du unzufrieden bist, sondern betrachte dich im Ganzen.
  • Schau dir Fotos an, auf denen du dich schön findest. Und dann verinnerliche das Gefühl, das du beim Betrachten der Bilder empfindest. Du darfst, nein du solltest dich sogar schön finden!
  • Statt dich zu wiegen, könntest du alle 7 – 10 Tage ein Foto aus derselben Perspektive und in demselben Outfit von dir machen, um einen Vergleich zu haben und so sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist.
  • Falls du wirklich mit deinem Gewicht kämpfst, noch nicht im Einklang mit dir selbst bist und es dir dadurch schwerfällt, es zu halten, dann greif lieber zu einem Maßband, anstatt zur Waage. Und ich sag dir jetzt auch warum:

63kg sind nicht gleich 63kg

Aktuell wiege ich ca. 63kg. Ich weiß das, weil ich mich kürzlich gewogen habe. Du denkst jetzt wahrscheinlich zurecht „Widerspricht sie sich jetzt nicht?“. Nein. Wenn du ein gesundes Verhältnis zu deiner Waage hast, ist es völlig legitim, wenn du dich ab und zu wiegst. Denn dann bricht nicht bei jedem Kilo mehr oder weniger Panik aus. Wer z. B. viel Sport treibt und gezielten Muskelaufbau anstrebt, möchte über sein Gewicht Bescheid wissen, um die Kalorienzufuhr dementsprechend zu gestalten. Aber zurück zum Thema. Da ich mittlerweile nicht mehr abhängig von der Waage bin und mich nicht mehr von der Zahl stressen lasse, habe ich das Experiment gewagt, mich doch nochmal daraufzustellen. Denn ich wollte etwas Interessantes feststellen – mit Erfolg. 63kg sind nicht gleich 63kg.

Als ich damals als 16-Jährige mit meiner Crashdiät angefangen hatte, wog ich ungefähr 67kg. Innerhalb kürzester Zeit hatte ich durch hungern 4kg verloren. Und ich erinnere mich noch, wie stolz ich war, als ich endlich die „63“ auf der Anzeige der Waage sah. Wenn ich mich heute optisch mit der damals 63kg schweren Tabea vergleiche, sehe und fühle ich einen deutlichen Unterschied! Mag sein, dass das Gewicht dasselbe ist, aber die Optik und das Körpergefühl sind letztlich das Entscheidende. Da ich damals kaum (besser gesagt gar keinen) Sport trieb, nahm ich die 4kg wahrscheinlich größtenteils in Form von Wasser und Muskelmasse ab.

Das Wichtigste: Du sollst dich wohlfühlen

Und mal ganz von der Optik abgesehen, geht es in allererster Linie darum, dass du dich wohlfühlst! Keine Diät ist es wert, wenn du dich währenddessen und danach nicht gut fühlst – zum Beispiel weil du hungerst, dir leckere Dinge verbietest und im schlimmsten Fall nicht mehr zusammen mit deinen Freunden essen gehen willst, weil du Sorge hast, dass du zunehmen könntest. Je mehr du dich gedanklich mit dem Thema „Gewichtskontrolle“ beschäftigst, desto mehr versteifst du dich darauf und es wird dir nur schwerer fallen, mit dir selbst ins Reine zu kommen. Definiere dich nicht über die oberflächliche Optik. Und schon gar nicht über die Zahl auf der Waage. Versuche, zu verinnerlichen, dass du wertvoll und liebenswert bist. Und zwar genau so, wie du bist!

Ich habe übrigens ein enorm wichtiges Learning aus der Zeit nach meiner Essstörung gezogen: Wenn ich glücklich und unbeschwert lebe, pendelt sich mein Gewicht in meinen individuellen Wohlfühl-Modus ein. Plötzlich kreisten meine Gedanken nicht mehr ausschließlich um das Thema… und ich konnte mein Leben und vor allem leckeres Essen wieder genießen.

Fazit: Du brauchst eine gesunde Einstellung zu deinem Körper…

… und dann hast du auch eine gesunde Einstellung zu der Zahl auf der Waage. Bitte versteh mich richtig: Es geht mir in diesem Beitrag nicht darum, mich als Gegner der Waage zu positionieren. Ich möchte dich nur dafür sensibilisieren, dass diese Zahl nicht alles ist. Zumal Gewichtsschwankungen von 1-2 kg völlig normal sind (gerade bei uns Frauen) und nicht gleich bedeuten, dass man auch genau diese Masse an Fett zugenommen hat. Das ist Quatsch! Ich habe am eigenen Körper erlebt, was passieren kann, wenn man der Waage die Macht über sein Körpergefühl gibt. Das ist nicht schön! Und dazu kommt, dass es wirklich Zeit und Lebensqualität kostet, um sich von dem Zwang, sich täglich zu wiegen, wieder zu befreien. Ich hoffe, ich konnte dir in diesem Beitrag zumindest ein paar Impulse geben und dir eines klarmachen:

DU BIST MEHR ALS DIE ZAHL AUF DEINER WAAGE! Verinnerliche, wie wertvoll du bist und wie wertvoll ein Leben mit Genuss ist!

PS: Zweifel kommen auch bei mir noch hoch

Ehrlichkeit ist mir superwichtig! Deswegen verrate ich dir etwas: Auch wenn ich darüber hinweg bin, mein Leben von der Waage bestimmen zu lassen, gibt es auch bei mir nach wie vor manchmal Tage, an denen ich zweifle. Tage, an denen ich mich in meiner Haut nicht wohlfühle und meinen Körper kritisch im Spiegel betrachte. Ich denke, es ist okay, dass es solche Momente gibt. Ausschlaggebend ist für mich, dass dies Ausnahmen sind – und nicht der alltägliche Wahnsinn. Ich bringe diese zweifelhaften Momente mit meinen Hormonen in Verbindung. 😀 Ich habe festgestellt, dass ich mich kurz vor meiner Periode „aufgequollen“ fühle und mich dann dabei erwische, mich als „zu dick“ zu empfinden. Völliger Blödsinn! Dessen bin ich mir bewusst. Ich sag dir das nur, damit du dich entspannst: Setz dich nicht unter Druck. Die emotionale Beziehung zum eigenen Körper kann einfach eine sensible Angelegenheit sein. Wichtig ist, sich dies bewusst zu machen und genau in solchen Momenten vor Augen zu führen, dass doch irgendwie alles gut ist! 🙂

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