Bringt es die große Freiheit, selbstständige Texterin zu sein?

Wow. Ich habe wirklich schon lange keinen Blogbeitrag mehr geschrieben. Daher nehme ich eine tolle Mail, die mich vor wenigen Tagen erreichte, zum Anlass, heute nochmal in die Tasten zu hauen. Es geht um das Thema, ob es die große Freiheit bringt, selbstständige Texterin zu sein. Die Absenderin hat mir viele spannende Fragen dazu gestellt, sodass ich mich dafür entschieden habe, einen Teil meiner Antworten hier öffentlich zugänglich zu machen. Und ich werde hier niemandem das Blaue vom Himmel erzählen.

 

„Vom Texten erhoffe ich mir die Möglichkeit, freier entscheiden zu können, wo ich meine Zeit verbringe.“

Selbstständige Texterin Freiheit

Als (selbstständige) Texterin oder Texter hast du eine super Voraussetzung, dich ortsunabhängig zu machen und dadurch mehr Freiheit zu genießen. Zumindest die Freiheit, flexibel entscheiden zu können, wann und wo du arbeiten möchtest. Denn für diese Dienstleistung brauchst du nur zwei Dinge: einen Laptop/PC und Internet. Das hat mir ermöglicht, in den letzten Jahren viel zu reisen und teilweise über mehrere Monate im Ausland zu sein. Doch es ist nicht so einfach, wie es nach außen hin oft dargestellt wird (kommt dir vielleicht bekannt vor, falls du auch schon auf die Digitale-Nomaden-Szene gestoßen bist).

Meine Ratschläge für alle, die überlegen, sich als Texter/in selbstständig zu machen:

  • Suche dir 3 – 4 langfristige Kunden, für die du regelmäßig schreibst und die fair bezahlen. Zusätzlich solltest du kleine Projekte und Aufträge annehmen.
  • Ich gehe davon aus, dass du bereits Erfahrungen im Texten hast. Verkaufe dich also nicht unter Wert! Fang mindestens mit einem Stundenlohn von 45€/netto an. Wichtig ist, dass du dich mit deinem Preis wohlfühlst.
  • Fokussiere dich auf deine Tätigkeit!
  • Sei dir bewusst, dass es Disziplin erfordert, im Home-Office (alleine) zu arbeiten. Ablenkung lauert überall.
  • Begib dich in ein Umfeld, das dich positiv beeinflusst. Das betrifft vor allem die Menschen, mit denen du deine meiste Zeit verbringst.
  • Versuche, die Arbeit nicht zu sehr mit in dein Privatleben zu nehmen.
  • Nimm dir Auszeiten! Gerade am Anfang habe ich 7 Tage die Woche durchgepowert… und das monatelang. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Körper und Geist ganz laut „STOPP“ rufen. Besser ist es, sich immer mal wieder Auszeiten zu nehmen oder sogar das „typische Wochenende“ beizubehalten.

„Darf ich dich fragen, wie du vorgegangen bist, um Texterin zu werden?“

Natürlich! Du darfst mich alles fragen. 🙂

Durch mein Pflichtpraktikum während des Studiums bin ich bei einem kleinen Verlag in der Redaktion gelandet. Das war im April 2013. Seitdem bin ich beim Texten hängen geblieben. Nach meinem Studium habe ich noch 9 weitere Monate in dem Verlag als Redaktionsleitung gearbeitet. Dann meldete das Unternehmen Insolvenz an, weshalb ich vor der Entscheidung stand, selbstständig weiterzumachen oder mich wieder irgendwo zu bewerben. Mein Freund hat sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet und mich dazu ermutigt, es selbstständig zu versuchen. Ich hatte trotzdem drei Bewerbungen abgeschickt – doch mein Bauchgefühl sagte mir schnell, dass das nicht das Richtige ist. 🙂 Bis heute bin ich meinem Freund für seinen Zuspruch sehr dankbar, denn ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne ihn diesen Schritt gegangen wäre. Das war im Oktober 2015.

Mein Start als selbstständige Texterin

Ich hatte das Glück, dass ich durch eine dieser drei Bewerbungen an einen sehr guten Kunden gekommen bin. Über diesen Kunden konnte ich „so viel“ Geld verdienen, dass ich meine Fixkosten decken und zu Beginn meiner Selbstständigkeit für einige Wochen nach Bali abhauen konnte. Neben diesem Kunden hatte ich immer mal wieder zusätzliche Aufträge, die durch Mund-zu-Mund-Propaganda entstanden sind. Eine aktive Kunden-Akquise habe ich bis heute nie betrieben.
Dabei möchte ich betonen, dass ich von Anfang an sehr viel Zeit in mein Projekt www.Trau-Dich-Fee.de gepumpt habe (gegründet in 2014) – in der Hoffnung, mir damit ein eigenes kleines Unternehmen aufzubauen, das mich irgendwann aus der „Dienstleister“-Position befreit. Über das Texten habe ich mich währenddessen über Wasser gehalten. Doch die „große Kohle“ habe ich damit nicht gemacht. Das hätte wahrscheinlich anders ausgesehen, wenn ich mich aktiv in die Kunden-Akquise gestürzt hätte.
Im vergangenen Jahr (2018) habe ich meine redaktionellen Jobs fast auf Null zurückgeschraubt und meine ganze Energie in ein eigenes Print-Magazin sowie in die Organisation unserer eigenen Hochzeitsmesse gesteckt. Du siehst: Geradlinig lief bei mir in den letzten Jahren nichts. Aktuell befinde ich mich auch wieder in einer Neufindungsphase. Mal schauen, wie es weitergeht.

Bringt es nun die große Freiheit, selbstständige Texterin zu sein?

Natürlich kommt es darauf an, wie du den Begriff „Freiheit“ definierst. Wenn es um die Freiheit geht, flexibel zu entscheiden, wann und wo du arbeiten möchtest, dann ja. Ich denke, diese Chance bietet das Berufsbild, wenn du dich reinhängst und wirklich Freude daran hast! Ich kenne einige Freelancer, die schon seit Jahren auf diese Weise ihr Geld verdienen und dabei um die Welt reisen. Es kommt darauf an, was du daraus machst. Wichtig ist nur, dass du dir vor Augen führst, dass auch dies ein Job mit Vor- und Nachteilen ist. Es wird Tage geben, an denen du vielleicht nicht sehr motiviert bist. Und es wird Jobs geben, die dir nicht so viel Spaß machen wie andere. Doch ich schätze, das ist in jedem Beruf so. Gibt es die 100%ige berufliche Erfüllung überhaupt?

Hinterlasse einen Kommentar

avatar