Webtexte vs. Bilder – Leseverhalten im Internet

„Heutzutage liest doch eh keiner mehr Webtexte. Bilder sind viel wichtiger!“

Als ich neulich diese Aussage bei einem Beratungsgespräch gehört habe, war ich etwas perplex. Klar, qualitativ hochwertige Bilder auf Webseiten sind wichtig – ohne Zweifel. Moderne Webseiten tendieren nicht umsonst zu einem geradlinigen Design mit klaren Strukturen und aufsehenerregenden Fotos. Aber wer kann mir aus dem Stegreif mehr als eine (überzeugende) Webseite nennen, auf der sich keine Webtexte befinden? Niemand? Das hat auch einen Grund: Gute Webtexte sind ausschlaggebende Faktoren für den Erfolg einer Webseite.

Vom Lesen und Scannen

Webtexte – Blickverlauf in F-Form
Der Blick eines Lesers schweift oftmals in F-Form über Webtexte bzw. die Webseite.

In zahlreichen Studien hat der dänische Webseiten-Forscher Jakob Nielsen* das Leseverhalten im Internet analysiert. Seine Erkenntnis: Menschen lesen nicht Wort für Wort, sondern scannen Webseiten. Laut Nielsen schweife der Blick des Lesers in „F-Form“ über den Text und zeichne sich durch sprunghaftes Lesen aus.¹ Außerdem bleibe der Blick an auffälligen Punkten – wie an Bildern oder hervorgehobenen Textstellen – hängen. Folglich ist es ratsam, die wichtigsten Informationen auf der linken Hälfte der Webseite zu positionieren.

Dieses Forschungsergebnis macht deutlich, dass Webseiten schon im Vorfeld so geplant und gestaltet werden sollten, dass sie dem Blickverlauf der Leser entsprechen. Die erste Anforderung an eine Webseite ist es also, den Leser zu fesseln und tieferes Interesse durch eine ansprechende Optik zu wecken. Eine große Rolle spielt dabei ein „aufgeräumtes Gesamtbild“ mit attraktiven Grafiken und/oder Fotos an passenden Stellen und gut strukturierten Texten. Selbst wenn Webtexte nicht immer (bis ins Detail) gelesen werden, so werden sie dennoch wahrgenommen bzw. gescannt. Und alleine der Aspekt der Möglichkeit spielt eine relevante Rolle. Wenn sich jemand wirklich für ein Produkt oder eine Dienstleistung interessiert, möchte er auch mehr darüber erfahren. Blöd, wenn die Webseite dann nicht die Informationen liefert, die ein Interessent erwartet. Doch wie kurz oder lang sollten Webtexte bestenfalls sein?

Es den Lesern leicht machen – Struktur von Webtexten

Pauschal kann ich die Frage nach dem „optimalen Umfang“ eines Online-Textes natürlich nicht beantworten. Das ist individuell unterschiedlich. In jedem Fall spielt aber die Struktur, also grafisches Schreiben, eine wichtige Rolle. Ellenlange Textblöcke, die den Leser schon auf den ersten Blick mit Unübersichtlichkeit erschlagen, sind ebenso kontraproduktiv wie vereinzelte Textschnipsel, die zu wenig wertvollen Inhalt liefern. Folgende Aspekte sollen eine erste Orientierungshilfe dafür sein, wie man für eine optische Ordnung auf Webseiten sorgt.

  • Texte gliedern und mit Zwischenüberschriften versehen
  • Pro Absatz nur einen Gedanken thematisieren
  • Verschachtelte Satzkonstruktionen auflösen und in mehrere, kürzere Sätze splitten
  • Prinzip der umgekehrten Pyramide anwenden: Hauptaussage an den Anfang, Details nach Relevanz sortiert im Folgetext
  • Bei langen Aufzählungen bieten sich Stichpunkte in Listenform an
  • Die wichtigsten (Such-)Begriffe optisch hervorheben (z. B. in fett)
  • Die Möglichkeit eines „Weiterlesen“-Buttons nutzen
  • Webseiten-Verlinkungen zu weiterführenden, thematisch passenden Artikeln integrieren

Keywords brauchen Platz

SEO-optimierte Webtexte: Keywords nutzen, aber leserfreundlich bleiben
Unter der Keyword-Kombi „Hochzeitslocation Oberberg“ liegt die Webseite www.Trau-Dich-Fee.de aktuell auf den ersten beiden Plätzen in Google.

Gut strukturierte Webtexte tragen nicht nur optisch und informativ positiv zum Gesamtkonstrukt einer Webseite bei, sondern auch in puncto Suchmaschinenoptimierung (SEO). Suchmaschinen lesen Texte anders als Menschen. Sie orientieren sich unter anderem an sogenannten Keywords, um eine Webseite zu bewerten und unter den unbezahlten Suchergebnissen zu ranken. Keywords sind die Schlüsselbegriffe, die Interessenten in Suchmaschinen eingeben und unter denen eine Webseite in den Suchergebnissen gefunden wird oder werden soll. Wer den Content seiner Webseite ohne vorherige Keyword-Analyse produziert und „einfach mal was schreibt“, darf sich nicht wundern, wenn die Webseite im Suchmaschinenranking nicht die Goldmedaille trägt. Folgende Frage sollte also vorausgehen:

  • Welche Suchbegriffe / Keywords geben potenzielle Kunden in Suchmaschinen ein?

Die Analyse-Ergebnisse sind grundlegend, um SEO-optimierte Webtexte zu erstellen. An dieser Stelle komme ich nochmal auf den Textumfang zu sprechen, um den Kreis zu schließen: Je weniger Text man für eine Webseite vorsieht, desto weniger Keywords können (bzw. sollten) untergebracht werden. Denn ein Text, der nur so vor aneinandergereihten Keywords strotzt, erfüllt nicht den Sinn der Sache – die Leserfreundlichkeit sollte immer an erster Stelle stehen. Schließlich sind es Menschen, die die Produkte kaufen oder Dienstleistungen buchen sollen – nicht die Suchmaschine. Da es den Rahmen sprengen würde, nun intensiver auf zielgruppengerechtes Schreiben einzugehen, werde ich diesem Thema in Kürze einen separaten Blog-Text widmen.

Übrigens: Auch Google legt Wert auf zielgruppengerechten Content mit informativem Inhalt und berücksichtigt diesen Aspekt in der Ranking-Bewertung.

Bilder visualisieren – Webtexte informieren

Letztlich sind sowohl Bilder als auch Webtexte wichtige Bestandteile für eine attraktive Webseite. Bilder spielen insbesondere für den ersten Eindruck eine ausschlaggebende Rolle. Als Eyecatcher erregen sie im besten Fall Aufmerksamkeit, die den Webseiten-Besucher dazu verleitet, sich länger mit der Webseite zu beschäftigen. Webtexte fungieren hingegen als Informationsboten. Gut strukturiert und zielgruppengerecht verfasst, sollten Webtexte sowohl die Interessenten als auch die Suchmaschinen glücklich machen. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass Bilder hingegen nur beschränkt bzw. lediglich in der Bilder-Suche zum Suchmaschinenranking beitragen. Alleine das ist ein Grund, Webtexte nicht zugunsten von Fotos zu vernachlässigen.

„Bilder ersetzen keine Webtexte. Und Webtexte ersetzen keine Bilder.
Sie sollten sich stimmig ergänzen.“

*Partnerprogramm
¹ Quelle

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Tipps: Webtexte schreiben, die rocken!Tabea LettauChris stylepeacockSuchmaschinenmarketing: Was ist SEO?Hannes Letzte Kommentartoren
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Hannes
Gast

Guter Text 🙂

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[…] trägt darüber hinaus dazu bei, dass sich Nutzer schneller auf der Webseite zurechtfinden, was das Leseverhalten positiv beeinflusst. Dies kann wiederum gute Auswirkungen auf die Verweildauer haben: Je länger […]

Chris stylepeacock
Gast

Prima Text! Es ist gut sich öfter mal wieder Gedanken über das eigene Schrieben zu machen und sich ein paar Regeln ins Gedächtnis zurückzurufen.

LG
Chris

trackback

[…] eine zentrale Rolle. Ellenlange Textblöcke lesen sich die Wenigsten aufmerksam durch. In meinem Blog-Text „Webtexte vs. Bilder – Leseverhalten im Internet“ gebe ich einige Tipps, wie man Webtexte optisch hübsch aufbereitet. Außerdem verrate ich, wie man […]